Der blinde Fleck tiefer gedacht.


Gosia von Styp
Der blinde Fleck tiefer gedacht.

WOHER KOMMT DER BEGRIFF VOM BLINDEN FLECK UND WAS BEDEUTET DAS FÜR DICH ALS FÜHRUNGSKRAFT?

Der blinde Fleck ist ein Fachbegriff aus der Augenheilkunde und befindet sich an der Stelle der Netzhaut, wo der Sehnerv ins Auge dringt. Dort gibt es einen Punkt, der keine Lichtrezeptoren besitzt.  Somit entsteht ein Loch oder Fleck. Dieser blinde Fleck wird jedoch durch das andere Auge ausgeglichen und fällt uns daher nicht auf. 

Natürlich geht es in diesen Beitrag nicht um Augenheilkunde, sondern um die Metapher des blinden Flecks und darum, sie besser zu verstehen.


Den blinden Fleck gibt es auch in der Psychologie.


Hier geht es um einen bestimmten Teil Deiner Persönlichkeit, den Du nicht wahrnehmen kannst oder nicht wahrnehmen möchtest. Du hast Eigenschaften an Dir, die Du verdrängst, verleugnest oder rationalisierst. 

Ein Beispiel dafür könnte sein:

Du möchtest als Führungskraft alles kontrollieren und wenn Dich eine andere Person darauf hinweist, dann möchtest Du es nicht hören (Verdrängung), empfindest es als nicht wahr (Verleugnung) oder Du entschuldigst dein Verhalten mit Ausreden, die Dein Handeln rechtfertigen sollten (Rationalisierung).

Kennen wir doch alle, oder? 

Sollten Dich bereits mehrere Personen auf eine bestimmte Verhaltensweise von Dir hingewiesen haben, die Du nicht so siehst, dann liegt sie höchst wahrscheinlich in Deinem blinden Fleck. 

Sich aus Deinem Umfeld Feedback zu Deiner Persönlichkeit zu holen, ist eine wunderbare Ebene, auf der Du Dich am besten reflektieren kannst. Wenn Du denn willst!

Aber auch das ist nicht unser heutiges Hauptthema, sondern das ist lediglich der Bonbon des heutigen Beitrags.
Und jetzt wird es richtig spannend!


DER BLINDE FLECK TIEFER GEDACHT.

Nach C. Otto Scharmer, Senior Lecturer an der MIT Sloan School of Management, Mitbegründer von ELIAS – (Emerging Leaders Innovate Across Sectors) – sowie des Presencing Institute, Cambridge USA und Autor des Buches , Theorie U: Von der Zukunft her Führen, gibt es 3 verschiedene Möglichkeiten eine Handlung, die Du als Führungskraft ausübst, zu betrachten: 

  1. Das Ergebnis Deiner Aufgabe.
  2. Den Prozess, wie Du Deine Aufgabe ausführst
  3. Das leere Blatt, sprich bevor Du Deine Aufgabe beginnst

Otto Scharmer nennt den 3. Punkt den blinden Punkt. Es ist der Ort von dem aus du handelst, wenn du handelst.

Dieser innere Ort ist die Quelle, aus der heraus Du im Jetzt handelst. Sie liegt tendenziell außerhalb Deiner Wahrnehmung.
In diesem Moment kannst Du Deine innere Haltung nicht sehen.  

Doch genau von dieser inneren Haltung hängt Dein Erfolg ab.

Nicht nur was Du machst und wie Du es machst ist entscheidend, sondern aus welcher inneren Quelle heraus Du handelst.

Dabei ist es logisch, dass diese innere Quelle zusätzlich einen starken Einfluss auf Deine sozialen Erfahrungen hat.

Wenn Du also verstehst was Du tust, wie Du es tust und Du Sicherheit in bestimmten Routinen findest, so ist Deine innere Quelle, von der aus Du tätig wirst, für Dich meistens unbewusst.
Damit ist also nicht Dein ‚Warum‘ gemeint, sondern eher Deine Mentalität oder Deine Achtsamkeit der Aufgabe gegenüber.

Gleich wird es noch deutlicher für Dich werden.


Nach C. Otto Scharmer ergeben sich aus dieser inneren Quelle heraus zwei unterschiedliche Arten des Lernens.

1.     Lernen aus der Vergangenheit

2.    Lernen aus der entstehenden Zukunft

Der erste Lerntyp ist uns allen bekannt. Erfahrung ist die Basis aller Methodenlehren. 

Im Training oder im Coaching lernst Du meistens Dinge, die auf der Erfahrung der Vergangenheit aufgebaut sind. 

Gerade deshalb ist der zweite Ansatz so interessant, da Du hier aus der Zukunft heraus entscheidest. 


WIE soll das funktionieren, aus der Zukunft heraus zu entscheiden?

Entscheidungen aus der Zukunft heraus zu treffen wird noch von den wenigstens Unternehmen genutzt. Diese Methode hat C. Otto Scharmer entwickelt, untersucht und weiter ausgebaut.


Ich finde diesen Ansatz so genial, weil genau das immer meine Herausforderungen mit Unternehmen war. 


Auch wenn es in diesen Blog um Dich geht, möchte ich hier kurz meine eigene Erfahrung mit Dir teilen.


Da ich für viele Menschen verantwortlich bin, ist die Verantwortung, die ich im Beruf trage, sehr groß. Obwohl ich viel entscheiden und bewegen kann, gab es bereits Situationen, in denen die Tür in Unternehmen für bestimmte Entscheidungen für mich geschlossen war.

Ich kam an den Eigentümern und Geschäftsführern nicht vorbei, wenn es darum ging, in bestimmte Ideen zu investieren oder neue Wege auszuprobieren.

Meine Ideen, von denen ich wirklich überzeugt war, dass sie finanzielle Vorteile für das Unternehmen hätten, konnte ich deshalb nicht umsetzten.

Hier scheiterte ich bereits an dem Mindset der Unternehmen, weil sie sich hauptsächtlich auf Zahlen und Erfahrungen aus der Vergangenheit fokussierten. Neue Wege zu wagen und neue Perspektiven anzunehmen und auszuprobieren, ist für zu viele noch ein echter Kampf.

Doch wenn Du deine Entscheidungen ausschließlich auf Grund Deiner Erfahrungen aus der Vergangenheit tätigst, kann Dich das unheimlich bremsen. Du versperrst Dir dadurch die Option, neue Wege und neue Erfahrungen zu machen.

Doch mir war der Fortschritt immer wichtig. In dem Rahmen meiner Verantwortung und meiner Möglichkeiten gab es in meinem Team Führungskräfte, die anders gedacht und auch gehandelt haben.

Sie dachten immer vorausschauend, waren spürbar. Die Fähigkeit, sich gedanklich mit der Zukunft zu vereinigen, wurde angewendet.

Wir haben die neu entstehenden Situationen in den speziellen Teams besprochen, neue Entscheidungen getroffen und immer wieder neue Wege ausprobiert.

Das war definitiv fruchtbarer und erfolgreicher, als die bestehenden Prozesse nicht auszureizen und nur auf Verfahren, die bereits in der Vergangenheit funktionierten, zu setzen. 


Aus dieser Sitaution heraus stellte sich C. Otto Scharmer folgende Frage:

Wie kann eine zukünftige Möglichkeit, die entstehen will, besser wahrgenommen werden und wie können wir uns mit dieser verbinden? 

Als Antwort entwickelte er folgende Methode:

PRESENCING.

Diese Methode setzt sich aus 2 wichtigen Inhalten zusammen:

1.     Presence – der Zustand im Augenblick

2.    Sencing – das Spüren der Möglichkeiten in der Zukunft


WARUM ERZÄHLE ICH DIR DAS?


Weil es einfach eine geniale Herangehensweise ist.

Diese Methode wird eine wichtige Herangehensweise der agilen Führung werden, von der Du in Zukunft sehr viel mehr hören wirst.

Von dem höhsten Zukunftspotential zu handeln, wird eine wichtige Eigenschaft für Führungkräfte sein. Durch die Schnelligkeit und all die kommenden Veränderungen, wird erfolgreiches Führen spürbar werden dürfen.

Ich könnte jetzt behaupten, mein Aufruf an Unternehmen und Führungskräfte diese Presencing Methode zu trainieren und als eine unverzichtbare Herangehensweise der Zukunft zu deklarieren liegt noch im Sencing Bereich. 🙂

Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass die erfolgreichen Unternehmen dieser Welt über ganze Teams verfügen, deren Aufgabe es ist, den Trend der Zukunft zu erspüren.

Die Kompetenz von Agilität und Intuition im richtigen Augenblick wird eine große Rolle einnehmen, die du gerne schon mal trainieren darfst.


FAZIT


  1. Übe auf Dein Bauchgefühl zu hören.
  2. Lerne Dir zu vertrauen, was Deine Businesspläne, Entscheidungen, Trendentwicklungen etc. betrifft.
  3. Planung und Budgetierung schaffen einen Rahmen, doch die Bewegung innerhalb des Rahmens ist nicht mehr so planbar, wie es noch in der Vergangenheit der Fall war. 
  4. Gehe stets in die Transparenz und teile Dein Wissen. So wirst Du mit anderen Führungskräften kommunizieren und kannst viel schneller für neue Ideen inspiriert werden.
  5. Freue Dich auf die Veränderungen und traue Dir neue Wege zu.

In der nächsten Woche erscheint der Beitrag `Welcher Mindset macht den Unterschied´ und in dem Beitrag danach werde ich Dir Tipps geben, wie Du Deine Intuition trainieren kannst. 

Es bleibt also spannend!

Ich freue mich auf Dein Feedback darüber, wie Du Dich auf die Zukunft vorbereitest!

Welche Fähigkeiten möchtest Du lernen?

Lasst uns die Berufswelt gemeinsam schön machen!

Bis bald.

Cheers,

Deine Gosia 

 
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